Die VW-Tochter Seat soll künftig die italienische Marke Alfa Romeo angreifen. Das hat Konzernchef Herbert Diess beiläufig auf der Pressekonferenz zur Verkündung der Halbjahreszahlen erwähnt und prompt erstaunte Nachfragen von Journalisten ausgelöst. Auf den ersten Blick erscheint es merkwürdig, ist Alfa doch bekannt für seine lange Tradition und seine ruhmreiche Historie, während Seat in den vergangenen Jahren als Einsteiger-Marke und Sorgenkind des VW-Konzern galt. Zudem hat Seat ein viel größeres Modellangebot und eine andere Zielgruppe. Lediglich die vor Kurzem gegründete Submarke Cupra zielt auf die gleichen Kunden – aber ob Alfa-Kunden sich für einen Cupra erwärmen können?
Gerade in einem Segment, in dem es um emotionale Kaufgründe geht, hat Alfa mit seiner Tradition Vorteile. Trotzdem hat Seat gute Chancen, die Marke bietet konkurrenzfähige Autos zum vernünftigen Preis, zudem ist die Technik dank der VW-Plattformen modern und zuverlässig. Vor allem in Bezug auf alternative Antriebe sieht es bei FCA und damit auch bei Alfa schlecht aus.
Seat fehlt momentan das Image, um gegen Alfa anzutreten. Doch das lässt sich ändern, wie der VW-Konzern mit Audi gezeigt hat. Als Ferdinand Piech Ende der 80er Jahren beschloss, gegen BMW anzutreten, gab es sicher auch nur wenige, die ihm einen Erfolg zugetraut hätten. Dass Seat zu einem ernsthaften Alfa-Konkurrenten wird, ist durchaus wahrscheinlich. Bis es soweit ist, dürfte es allerdings noch etliche Jahre dauern. Eins jedoch wird die Wolfsburger trösten. In Bezug auf die Absatzzahlen liegt Seat heute schon vor Alfa.
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