Herbert Diess kam erst 2015 zu VW und gilt deshalb im Abgas-Skandal als unbelastet. Doch jetzt bringt ausgerechnet ein VW-Schriftsatz, der zur Entlastung des Vorstands gedacht war, den Manager in Erklärungsnot. Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, geht aus dem Papier hervor, dass Diess direkt nach seinem Amtsantritt im Juli 2015 von den Manipulationen erfahren hat – Monate, bevor im September die Öffentlichkeit informiert wurde.
Schriftsatz von VW belastet Diess
Bei mindestens zehn Gelegenheiten habe sich Diess mit dem Thema beschäftigt. Er habe es sogar an sich gezogen, weil er Erfahrung im Umgang mit US-Behörden hat, heißt es in dem Schriftsatz. Nun stellt sich die Frage, ob er nicht viel früher hätte Alarm schlagen müssen. Spätestens, nachdem VW am 3. September 2015 die Manipulationen gegenüber den USA eingestanden hatte, hätte Diess eine Ad-hoc-Mitteilung an die Finanzmärkte veranlassen müssen, sagt der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger gegenüber der WirtschaftsWoche.
Bereits bekannt ist, dass Diess ebenso wie der damalige Konzernchef Martin Winterkorn am 27. Juli 2015 am sogenannten "Schadenstisch" teilgenommen hat. Das bestreitet auch Volkswagen nicht. Allerdings ist umstritten, was die Vorstände damals genau erfahren haben. Während die Ankläger in den USA davon ausgehen, dass Winterkorn und Diess damals schon ein "klares Bild" der Manipulationen erhalten hätten, heißt es bei VW, den beiden sei kein klarer Gesetzesverstoß berichtet worden.
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