Nach vier Jahren Pause ist das Interesse der Aussteller an der Zuliefererbörse groß. IZB-Leiter Josef Schulze Sutthoff und Wendelin Göbel, Vorstandssprecher der Wolfsburg AG, glauben an die Vorteile von Präsenzmessen.
"Entwicklungszyklen zu kurz, um Neuerungen alle zwei Jahre zu präsentieren"
IZB-Leiter Josef Schulze Sutthoff und der Wolfsburg-AG-Chef Wendelin Göbel sprechen über neue Formate und die Weiterentwicklung der Zuliefererbörse.
Herr Göbel, Herr Schulze Sutthoff, die letzte IZB fand 2018 statt. Hatten sie Sorge, dass sich die Zulieferer von der Messe abwenden?
Göbel: Nein. Seit Beginn der Pandemie gab es keine Möglichkeit für Zulieferer, sich auf einer derart großen Plattform im persönlichen Gespräch auszutauschen und mit ihren Kunden ins Gespräch zu kommen. Darin sehe ich auch einen Grund, warum in diesem Jahr das Interesse an der IZB so groß ist. Die Menschen haben einfach eine gewisse Sehnsucht danach, sich wieder einmal zu treffen und ihr Unternehmen in seiner Leistungsstärke präsentieren zu können. Obwohl heute dank virtueller Technologien vielfältige andere Möglichkeiten dazu bestehen. Aber das Treffen ist auch wichtig, weil viele Themen gerade für Zulieferer im Moment nicht ganz einfach sind.
Schulze Sutthoff: Die Verträge mit den Ausstellern wurden zum Teil von der 2020 verschobenen IZB fortgeschrieben. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt konnten diese Verträge storniert werden. Diesem Datum haben wir mit Spannung entgegengesehen.
Welche Reaktion gab es?
Schulze Sutthoff: Es hat uns sehr gefreut, dass die allermeisten Unternehmen an ihrer Teilnahme festgehalten haben. Einige Zulieferer haben sich zurückgezogen,weil sich der Schwerpunkt der Firma verändert hat oder sie sich andere Kundengruppen erschlossen haben.
Wie hat sich die thematische Ausrichtung der Aussteller verändert?
Schulze Sutthoff: Aufgrund der allgemeinen Entwicklung in der Branche sind bei den Ausstellern Themen, die mit Konnektivität, Elektrifizierung und Batterietechnik zu tun haben, stärker in den Fokus gerückt.Da gibt es in diesem Jahr mehr und größere Aussteller. Durch neue Technologien gibt es auf der Messe auch so manches erklärungsbedürftige Produkt. Gespräche mit Einkäufern oder Vertretern der technischen Entwicklung sind in solchen Fällen besonders wichtig.
Aus welchen Ländern kommen die Aussteller?
Schulze Sutthoff: Wir sind so international wie nie zuvor. Inklusive Deutschland nehmen in diesem Jahr 37 Nationen an der IZB teil. Darunter sind einige Länder, die erstmals dabei sind wie Australien oder Rumänien. Die traditionell stark vertretenen Länder Italien, Spanien, Portugal oder Frankreich stellen auch in diesem Jahr starke Kontingente. Aber es gibt auch viele Aussteller aus China und weiteren asiatischen Ländern wie Taiwan, Singapur oder Indien. Wie schon 2018 kommen rund 60 Prozent der Aussteller aus Deutschland und 40 Prozent aus dem Ausland.
Wie hat sich der asiatische Anteil entwickelt?
Schulze Sutthoff: 2018 kamen 27 Aussteller aus Asien, darunter sieben chinesische Unternehmen. 2022 sind 48 Aussteller angemeldet, davon entfallen 14 auf China.
Was hat sich an der Struktur der Messe verändert?
Göbel: So wie sich die Themen Digitalisierung, Konnektivität, Elektrifizierung, Batterietechnik, mobile Services und Nachhaltigkeit inhaltlich verändert haben, so hat sich auch die konzeptionelle Struktur der Messe gewandelt. Wir haben Formate geschaffen, die die Kommunikation noch stärker fördern. So dient mitten auf unserem Software Marketplace eine Livestage als Bühne für Branchenexperten, Volkswagen und Zulieferer.
Die IZB hat üblicherweise einen Zwei-Jahresrhythmus. Wird dieser Zyklus den immer kürzeren Entwicklungszeiten noch gerecht?
Göbel: Auf diese Entwicklung werden wir sicherlich reagieren. Wir schauen uns jetzt an, welche Resonanz der Besucher es auf die neuen Formate der IZB gibt. Anschließend werden wir analysieren,ob wir es bei dem zweijährigen Rhythmus belassen oder welche anderen Möglichkeiten wir schaffen können, damit die Zulieferer sich präsentieren und untereinander und mit den Fahrzeugherstellern in Kontakt bleiben. Heute betreiben wir mit der Präsenzmesse in Wolfsburg und dem Auf- und Abbau der Zeltstadt einen großen Aufwand. Das werden wir nicht jährlich machen können. Aber die Entwicklungszyklen sind einfach zu kurz, um die Neuerungen nur alle zwei Jahre präsentieren zu können.
Schulze Sutthoff:
Im Projektmanagement gibt es eine Regel: auf unbekanntes Terrain mit bekannten Leuten, auf bekanntes Terrain mit unbekannten Leuten. Die gesamte Branche bewegt sich derzeit auf teilweise unbekanntem Terrain, und es ist besser, wenn man das mit bekannten Leuten macht. Ein Kennenlernen gibt es nur im persönlichen Kontakt. Dazu kann eine Präsenzmesse einen Beitrag leisten. Das spüren die Leute.
Welche neuen Formate sind Ihnen besonders wichtig?
Schulze Sutthoff: Ich möchte vorausschicken, dass bei der ganzen Diskussion um Digitalisierung und Elektrifizierung die Hardware immer noch ein ganz wesentlicher Bestandteil des Fahrzeugs ist. Diejenigen, die diese Hardware liefern, sind im Wesentlichen diejenigen Unternehmen, die auch ermöglichen, dass so eine Messe stattfindet. Aber es kommen stetig neue Themen hinzu. Im Fall der agilen Programmierung gibt es heute keine Möglichkeiten mehr, Schnittstellen vorher zu definieren.
Was empfehlen Sie?
Schulze Sutthoff: Wir müssen darauf achten, dass sich Lieferantennetzwerke bilden können, die auch in wechselnden Konstellationen funktionieren. Die Messe soll auch zeigen, welche Anforderungen der Fahrzeughersteller an die Lieferanten hat, damit es keine Schwierigkeiten im Einkauf, bei der Qualitätssicherung oder mit der Integration von Features im Fahrzeug gibt. Um diese Botschaften zentral zu den Lieferanten zu transportieren, haben wir die Livestage auf der IZB.
Wie stark werden der VW-Einkauf und die Entwicklung auf der Messe vertreten sein?
Göbel: Zur Mannstärke kann ich nichts sagen. Das ist eine Entscheidung von VW. Für uns ist es wichtig, die Messe für die Zulieferer und natürlich die gesamte Branche so interessant wie möglich zu gestalten.
Was dürfen die Aussteller von Volkswagen erwarten?
Göbel: Neben einem freundlichen Empfang dürfen sie mit Besuchen von Vertretern Volkswagens aus der Beschaffung und der Entwicklung rechnen. Es wird vonseiten des Herstellers durchaus wertgeschätzt, dass sich die Zulieferer auf den Weg nach Wolfsburg gemacht haben.
Haben sich auch Vertreter anderer Fahrzeughersteller angekündigt?
Schulze Sutthoff: Sie haben sich zwar nicht angekündigt, werden aber sicherlich wie auch schon in den vorherigen Ausgaben der IZB vor Ort sein. Sie bietet ja die Möglichkeit für Lieferanten, sich verschiedenen OEMs, aber auch Zulieferern zu präsentieren und Gespräche zu führen.
Aus dem Datencenter: