Ford-Deutschlandchef Gunnar Herrmann hat keine Angst davor, dass Ford Deutschland wie Opel von der amerikanischen Muttergesellschaft verkauft werden könnte. Das sagte er in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Opel sei als eigene Marke viel einfach abzuspalten gewesen als Ford. Als Margenziel gab es sechs bis acht Prozent aus - Werte, von denen das Unternehmen momentan weit entfernt ist. Die höchste Marge der vergangenen Jahre habe man 2016 mit 4,2 Prozent erzielt, momentan sieht es noch deutlich schlechter aus. Für die Zukunft ist Herrmann aber optimistisch und verweist auf die laufende Erneuerung der Modellpalette. Bis 2022 sehe er keinen Grund, warum Ford Deutschland nicht profitabel sein sollte.
"Ich würde Köln gern zu einem Standort für Elektromobilität machen"
Der Brexit trifft Ford besonders hart. Nicht nur, weil Großbritannien der größte Markt von Ford in Europa ist, sondern auch, weil es einen hohen Austausch gibt. Als Beispiel verweist Herrmann auf die Dieselmotoren, die im Werk Dagenham gebaut und nach Kontinentaleuropa gebracht werden, um in die Autos eingebaut zu werden, woraufhin die rechtsgelenkten Fahrzeuge wieder nach Großbritannien transportiert werden. Im Falle eines harten Brexit, wenn Großbritannien also aus dem Binnenmarkt ausscheiden würde, würde eine "unglaublich hohe Zollbelastung" auf Ford zukommen.
Ford will deshalb Kosten sparen, wo immer es geht. Als wichtigste Bereiche nannte Herrmann die Materialkosten sowie die Ausgaben für Verwaltung und Entwicklung. Als Beispiel, dass Kosteneinsparungen nicht unbedingt Entlassungen bedeuten müssen, verwies er auf die Fiesta-Fertigung in Köln, die produktiver geworden sei, obwohl zusätzliche Arbeitsplätze entstanden seien. Bereits im vergangenen Jahr habe man als Folge des Brexits Verluste in Höhe von 600 Millionen US-Dollar, rund 490 Millionen Euro, verbucht, auch für das laufende Jahre rechne man mit einem stattlichen Minus.
Den neuen Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie hält er für "zu teuer". Man wolle "gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung eine balancierte Umsatzung finden", schließlich plane man enorme Investitionen in Produkte und Mobilitätsprojekte, um die Zukunft und des Unternehmens und damit auch der Arbeitsplätze zu sichern.
Für den Umstieg auf die E-Mobilität sieht Herrmann Ford gut aufgestellt. Im Jahr 2020 werde man das erste rein als E-Auto entwickelte Modell auf den Markt bringen. Ein möglicher Standort sei das Werk in Köln. Dort könnte mit Unterstützung des Landes und des Bundes auch eine Batteriezellenfertigung entstehen. Um das Kölner Werk komplett auf Elektromobilität umzustellen, bräuchte es allerdings mehr als 30.000 oder 40.000 verkaufte Autos pro Jahr. Zunächst werde man E-Autos importieren. Als möglichen Beginn einer eigenen Produktion nannte Herrmann da Jahr 2023, wenn der Modellwechsel beim in Köln produzierten Fiesta ansteht. Die Diesel-Diskussion beobachtet Ford aufmerksam. Solange der Anteil der Dieselmodelle nicht unter 30 Prozent fällt, hat das Unternehmen Herrmann zufolge aber keine Probleme damit die CO2-Grenzwerte einzuhalten.
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