Herr Ernst, wie stark bekommen Sie im Teileverkauf die anziehende E-Mobilität zu spüren?Zunächst einmal ändert sich für uns bei Verbrennern und Hybridautos nichts, da ja auch beim Hybrid ein Verbrenner mit an Bord ist. Anders sieht es beim vollelektrischen Fahrzeug aus. Wir rechnen damit, dass im Jahr 2030 15% des weltweiten Bestandes E-Fahrzeuge oder Hybridfahrzeuge ausmachen. Rund um den Antriebsstrang sind die Folgen dann dramatisch.
Können Sie das konkretisieren?Es werden unter anderem keine Flüssigkeitsfilter mehr benötigt und sich bewegende Teile wie Steuerketten oder Zahnriemen entfallen. Was natürlich bleibt sind Wartungen bzw. Reparaturen im Bereich Chassis, Stoßdämpfer und auch Bremsen. Auch die Themen Heizen und Kühlen oder Innenraumfilter spielen im E-Auto eine Rolle und bedürfen der Wartung.
Gibt es Untersuchungen zu den Einbußen?Insgesamt erwartet die Branche, dass die Wartungskosten für E-Fahrzeuge 60 % unter denen konventioneller Fahrzeuge liegen.
Sie haben Bremsbeläge für das Nachrüstgeschäft entwickelt die leiser sind und deutlich weniger Feinstaub erzeugen. Wäre das nicht auch etwas für konventionelle Autos?Bremsbeläge die weniger Feinstaub entwickeln werden wir definitiv auch für diese Fahrzeuge anbieten. Denn es steht in den Städten nach wie vor die Frage im Raum, wie sich die Staubemissionen verringern lassen. Es bleibt aber die Frage, ob der Autofahrer bereit ist zehn oder 20 Prozent mehr für eine leisere Bremse zu zahlen, die er bei einem von einem Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeug praktisch nicht bemerkt. Beim E-Auto treten wegen des fehlenden Motorgeräuschs andere Geräuschquellen mehr in den Vordergrund. Da kommt eine leisere Bremse stärker zum Tragen.
Für neue Geschäftsmodelle benötigen Sie Fahrzeugdaten. Wie viele Daten lassen sich im Fahrzeug überhaupt erfassen?Es gibt rund 380 verschiedene Daten - wir sprechen hier von Datenpunkten - die im Auto erfasst werden können. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Fahrzeughersteller auch den Zugriff ermöglicht. Derzeit verhandeln wir beispielsweise mit einem Hersteller der uns gerade einmal 40 Datenpunkte geben will.
Es wird also um jeden Datenpunkt gekämpft?Ja, weil der Fahrzeughersteller den Datenzugriff als Möglichkeit ansieht darüber selbst Services anbieten zu können.
Brauchen Sie dann alle 380 Datenpunkte?Nein, ab 165 Datenpunkten können wir bestimmte Anwendungsfälle darstellen, mindestens 200 Datenpunkten wären aus unserer Sicht wünschenswert.
Fühlen Sie sich den Fahrzeugherstellern ausgeliefert?Keinesfalls. Es gibt durchaus mehrere Möglichkeiten, an Daten heranzukomen, über OBD-Dongles, über die Kooperation mit anderen Partnern etc. Denn es ist ja nicht so, dass sich ein Fahrzeug per se stumm schalten lässt.
Die Daten werden Sie also bekommen...Natürlich wird der Aufwand größer und der Zugang ist eventuell nur mittelbar. Aber es wird funktionieren.
Auf welche Art der Daten kommt es Ihnen besonders an?An erster Stelle steht die Identifizierung des Fahrzeugs über die VIN-Nummer. Es ist selbstverständlich interessant für uns, wenn sich das mit dem Eigentümer des Fahrzeugs verknüpfen lässt. Auch die Kilometerleistung, Beschleunigungs- und Verzögerungsdaten sind wichtig, um beispielsweise Aussagen über den Bremsenverschleiß treffen zu können. Wenn wir die Daten zur Kilometerleistung nicht direkt bekommen, müssten wir diese über das Mitschreiben von GPS-Daten erzeugen. Wir werden jedoch immer einen Weg finden, der eine vorausschauende Wartungsplanung und damit besseren Kundenservice ermöglicht.
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