Herr Benade, wie beurteilen Sie den Konzentrationsprozess im Großhandel?
Wir sehen eine sehr starke Konsolidierung. Mit Blick auf die Akquisitionen der vergangenen 18 Monate formieren sich hier gerade große Spieler, die in ganz Europa aufgestellt sind.
Warum steigt Hella aus dem Großhandelsgeschäft aus?
Wir waren nur regional aufgestellt, das heißt wir waren nur in Polen, Norwegen und Dänemark präsent. Vor diesem Hintergrund haben wir die strategischen Positionen für uns im Großhandel geprüft. Wir sind dann zu dem Entschluss gekommen, dass der Verkauf an einen Interessenten wie die schwedische Mekonomen-Gruppe für uns die beste Option ist. Alternativ hätten wir viel Geld investieren müssen, um zu einem der großen Player im Bereich des Großhandels aufzusteigen.
Und wie sieht die Konsolidierung in den anderen Märkten aus?
Es gibt einen klaren Konzentrationsprozess in den USA, der schon ein paar Jahre vor dem Prozess in Europa eingesetzt hat. Jetzt fasst der ein oder andere große amerikanische Spieler Fuß in Europa. LKQ hat Stahlgruber erworben und Genuine Parts hat die Alliance Automotive Group gekauft.
Sie haben nach wie vor in Norwegen ein Ersatzteilgeschäft. Was sind die Optionen für diesen Bereich?
Grundsätzlich war auch unser norwegischer Großhändler Teil der Gespräche, die wir mit den Bietern für unser Großhandelsgeschäft hatten. Aber unterschiedliche Gründe haben dazu geführt, dass das norwegische Geschäft nicht an Mekonomen verkauft wurde. Derzeit prüfen wir verschiedene strategische Optionen, um unseren norwegischen Kollegen eine ordentliche Perspektive bieten zu können.
Planen Sie auch Zukäufe?
Ja, der Aftermarket ist ein wichtiges Standbein im Rahmen der Hella-Gruppe. Zum einen partizipieren wir hier vom antizyklischen Kaufverhalten, weil der Aftermarket andere Zyklen als die klassische Erstausrüstung hat. Wir wollen aber auch unsere hohe Kompetenz aus dem Licht- und Elektronikbereich nutzen, um diese in den Aftermarket einzubringen.
In welchem Bereich wollen Sie konkret wachsen?
Im Diagnosebereich von Hella Gutmann und bei Mobility-Lösungen sehen wir deutliche Wachstumschancen.
Warum wollen Sie das Ersatzteilgeschäft und die Werkstattausrüstung enger miteinander verzahnen?
Durch eine engere Verzahnung wollen wir unter anderem unser Angebot an Licht- und Elektronikprodukten für Großhändler weiter optimieren. So können wir auf Basis der Diagnosedaten von Hella Gutmann zum Beispiel genau sehen, welche Elektronik-Komponenten häufiger fehlerhaft sind und damit benötigt werden. Es hilft uns auch, dass die Fahrzeuge immer komplexer werden. In der Vergangenheit ist der Autofahrer nach einem Unfall in die Werkstatt gekommen und hat seinen Frontspoiler oder Scheinwerfer wechseln lassen. So leicht geht das heute nicht mehr. Bei intelligenten Scheinwerfersystemen sind Kameras mit einer Software in der Frontscheibe verbaut und es gibt Sensoren in der Frontschürze, die nach einer Reparatur wieder angelernt werden müssen.