Braunschweig/Stuttgart. Rückblickend fühlen sich Investoren falsch informiert und um ihr Geld gebracht. Seit dem 1. August gehört das Geschäft mit den Sportwagen aus der Porsche AG zwar vollständig zum VW-Konzern - das Klagerisiko bleibt aber bei der Porsche-Holding PSE.
- LANDGERICHT BRAUNSCHWEIG: Dort hingen insgesamt fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding PSE, drehten sich um Schadenersatz-Forderungen in Millionenhöhe und waren Ende Juni erstmals verhandelt worden. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, haben laut Plan ihren mündlichen Verhandlungstermin am 17. April 2013. Zu diesen anfänglich fünf Klagen kam, wie im Oktober 2012 bekanntwurde, zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.- USA: Die milliardenschweren Forderungen von Fondsgesellschaften in den Vereinigten Staaten laufen in zwei getrennten Fällen. Auf bundesstaatlicher Ebene wird darum gerungen, ob US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Dabei hat die PSE in erster Instanz gewonnen. Die Gegenseite hat Berufung eingelegt, eine Entscheidung soll laut PSE-Auskunft von Mitte Dezember 2012 in den nächsten Wochen fallen. Auch vor einem New Yorker Gericht stehen Fragen der Zuständigkeit im Mittelpunkt, dort hatte die Porsche-Dachgesellschaft zwar in erster Instanz eine Niederlage erlitten, legte aber ihrerseits Berufung ein. Wie es dort weitergeht, soll erst im nächsten Jahr feststehen.- STUTTGART 1: Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen frühere Porsche-Manager, darunter Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Es ging um Kreditbetrug, Untreue und Marktmanipulationen. Am Ende mussten sich wegen Kreditbetruges Härter und zwei seiner damaligen Führungskräfte verantworten, der Prozess soll 2013 enden. Wiedeking sah sich dagegen nie mit Kreditbetrug konfrontiert. Gegen ihn und Härter erhob die Staatsanwaltschaft aber kurz vor Weihnachten 2012 Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Der Vorwurf der Untreue wurde dagegen ohne Anklage fallengelassen.- STUTTGART 2: Das Oberlandesgericht (OLG) entschied Ende Februar, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der PSE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzte. Das OLG erklärte daher die Entlastung des Kontrollgremiums für das Geschäftsjahr 2008/2009 für nichtig. Zuvor hatte das Landgericht Stuttgart die Klage noch abgewiesen. Die PSE scheiterte Anfang Dezember mit einer sogenannten Nichtzulassungsbeschwerde, um gegen das OLG-Urteil doch noch in Revision gehen zu können, prüft aber auf anderen juristischen Wegen gegen die Entscheidung anzugehen. (dpa/gem)Wegweiser durchs Klagedickicht bei Porsche/VW
Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen 2008/2009 hat ein langes juristisches Nachspiel. Es geht um Milliardenklagen und auch um strafrechtliche Ermittlungen.