Wolfsburg. VW hat Millionen Autos verkauft, die mehr Schadstoffe ausstoßen als erlaubt. Es wurde manipuliert. Was ist bekannt, was noch nicht? Ein Überblick:
WASWIR WISSEN:
GESCHÖNTE STICKOXIDWERTE I - Die US-Umweltbehörde EPA teilte am 18. September mit, dass VW mit Hilfe einer Software NOx-Messwerte von Dieselautos bei Tests auf Prüfständen manipuliert hat, um die Vorgaben der Behörden zu erfüllen. VW gab die Aktion zu, die Aktie brach ein, Vorstandschef Martin Winterkorn trat zurück. Manipuliert wurde bei kleineren Dieselmotoren in weltweit bis zu 11 Millionen Autos der Marken VW, Audi, Seat und Skoda. Doch dabei blieb es nicht.
MANIPULIERTE CO2-MESSUNGEN - Anfang November machte VW selbst weitere «Unregelmäßigkeiten» bekannt. Der CO2-Ausstoß zahlreicher Modelle sei höher als angegeben. Später räumte VW ein, die Falschangaben seien entweder über Manipulationen im Messvorgang auf dem Prüfstand selbst oder über manipulierte Testwagen zustande gekommen. Betroffen seien bis zu 800.000 Wagen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda.
GESCHÖNTE STICKOXIDWERTE II - Ebenfalls Anfang November machte die EPA weitere Vorwürfe öffentlich. Auch bei Autos mit größeren 3,0-Liter-Dieselmotoren der Marken Audi, VW und Porsche sei eine verbotene Software eingebaut, die auf dem Prüfstand für bessere NOx-Werte sorge. Audi hatte den Motor entwickelt und erklärte den Vorfall zum Missverständnis mit US-Aufsehern. Dann räumte Audi aber ein, dass die Software in den USA illegal ist.
WASWIRNICHTWISSEN:
WER WUSSTE WAS WANN - VW hat die US-Anwaltskanzlei Jones Day mit internen Ermittlungen beauftragt - davon ist aber noch nicht viel bekannt. Auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt im Abgas-Skandal, hat aber noch keine Anklage erhoben. Bislang hat noch kein VW-Manager öffentlich zugegeben, über die Manipulationen Bescheid gewusst zu haben. Der damalige Konzernchef Winterkorn sprach im September von«Verfehlungen einiger Weniger». Winterkorn trat kurz darauf zurück. In der zweiten Reihe wurden mehrere Entwicklungschefs und hohe Ingenieure beurlaubt.
WIE TEUER WIRD ES? - Die Kosten werden in die Milliarden gehen, so viel ist klar. VW hat bereits 6,7 Milliarden Euro für technische Nachbesserungen der manipulierten Dieselautos zurückgelegt. Im dritten Quartal 2015 war das Unternehmen deshalb zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wieder in die roten Zahlen gerutscht. Die weiteren Risiken durch die falschen CO2-Werte hat man vorerst auf zwei Milliarden Euro veranschlagt. Daneben drohen VW in vielen Ländern Strafzahlungen, vor allem wegen der manipulierten Stickoxidwerte.
Der Kohlendioxid-Ausstoß eines Autos ist außerdem entscheidend bei der Berechnung der Kfz-Steuer in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt deshalb auch wegen Steuerhinterziehung. Zudem rollt eine Klagewelle von VW-Fahrern und -Aktionären auf den Konzern zu. Autobesitzer fühlen sich hinters Licht geführt und fordern Schadenersatz. Zahlreiche Anleger sind der Auffassung, VW habe zu spät über die Manipulationen informiert; sie wollen Kursverluste ersetzt bekommen. NordLB-Experte Frank Schwope schätzt die Gesamtkosten für VW auf 30 Milliarden Euro.
WAS KOMMT NOCH - Zumindest stehen derzeit erst einmal keine unbeantworteten Vorwürfe mehr von offizieller Seite im Raum. VW will im kommenden Jahr mit einer gigantischen Rückrufaktion der Autos mit erhöhten NOx-Werten beginnen. Was mit Fahrzeugen passiert, die zu hohe CO2-Werte aufweisen, ist noch unklar. Und unklar ist auch, ob Volkswagen jetzt wirklich alle Karten auf den Tisch gelegt hat. (dpa/gem)