Wolfsburg. Europas größter Autobauer Volkswagen will sich für die Übernahme der Stuttgarter Sportwagenschmiede Porsche frisches Geld durch eine Kapitalerhöhung beschaffen. Zur Absicherung des Porsche-Deals hat VW zu einer außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Dezember in Hamburg eingeladen. Auf der Tagesordnung stehe unter anderem eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe von Vorzugsaktien, teilte Volkswagen am Freitag mit. Die Aktionäre sollen den Vorstand ermächtigen, bis Dezember 2014 insgesamt bis zu 135 Millionen neue, stimmrechtslose Vorzugsaktien auszugeben. VW will mindestens vier Milliarden Euro frisches kapital, rein rechnerisch wäre je nach Aktienkurs aber auch ein höherer Betrag möglich. Allen Aktionären soll ein Bezugsrecht eingeräumt werden.
Nach einem erbitterten Machtkampf will VW den Sportwagenbauer Porsche bis Mitte 2011 als zehnte Marke in den Konzern eingliedern. Die Kapitalerhöhung sei ein "Meilenstein auf dem Weg zum integrierten Automobilkonzern mit Porsche", teilte VW mit. Sie soll den finanziellen Handlungsspielraum erhöhen und zugleich das gute Rating der Wolfsburger sichern, das für günstige Kreditkonditionen wichtig ist. Dabei setzt VW auf das Vorzugskapital, weil eine Ausgabe neuer Stammaktien auch den Anteil und damit die Stimmrechte des Landes Niedersachsen verwässern würde und das Land dann zukaufen müsste.
Der Einfluss des Landes bei VW steht ebenfalls auf der Tagesordnung der Hauptversammlung. Die Aktionäre sollen darüber entscheiden, ob dem Land in der VW-Satzung das Recht eingeräumt wird, zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat zu entsenden. Zudem soll dort die Sperrminorität von 20 Prozent festgeschrieben werden. Das Land hat mit seinem Anteil von gut 20 Prozent ein Vetorecht in der Hauptversammlung. Der Aufsichtsrat schlägt ferner vor, Porsche-Miteigentümer Hans Michel Piëch und den Geschäftsführer der Porsche Design-Gesellschaft, Ferdinand Oliver Porsche, für eine volle Amtszeit zu Mitgliedern des Aufsichtsrates zu wählen. Sie waren im August gerichtlich als Nachfolger von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dessen Finanzchef Holger Härter bestellt worden. Die beiden waren zurückgetreten, nachdem sich der Sportwagenbauer bei der geplanten Übernahme von Europas größtem Autobauer massiv verhoben und einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft hatte. (dpa/gem)