Wiesbaden. Wegen schwacher Nachfrage und stärkeren Wettbewerbs streicht der Kohlenstoffspezialist SGL Group seine Prognose erneut deutlich zusammen. Nach einem Fehlstart in das laufende Jahr mit einem Verlust im ersten Quartal kassierte der Konzern damit bereits zum zweiten Mal binnen zehn Wochen die Erwartungen ans eigene Geschäft. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) werde nun voraussichtlich um bis zu 60 Prozent niedriger als im Vorjahr ausfallen, teilte SGL am Donnerstagabend mit. Damit wächst auch der Druck auf Vorstandschef Robert Köhler. Das Management will nun mit einem Sparprogramm gegensteuern.
2012 hatte der Konzern vor Wertberichtigungen ein Ergebnis von 240 Millionen Euro erzielt. Bislang war der MDax-Konzern für das laufende Jahr von einem um schlimmstenfalls 25 Prozent niedrigerem Ergebnis ausgegangen. Ein Aktienhändler sprach am Freitag von sehr schlechten Nachrichten. Der Kurs der Aktie verlor im frühen Handel 4,8 Prozent auf 26,10 Euro. Zwischenzeitlich war das Papier bis auf 25,02 Euro abgesackt. Seit Jahresanfang haben die Titel bereits mehr als 13 Prozent Prozent an Wert verloren, wohingegen der MDax in diesem Zeitraum mehr als 16 Prozent zugelegt hat.Bereits im ersten Quartal hatte ein schwaches Geschäftsumfeld SGL belastet. Konsequenz: Unter dem Strich stand ein Minus von mehr als 9 Millionen Euro. Bereits damals hatte das Unternehmen mit einer Gewinnwarnung die Anleger enttäuscht. Nun hat sich die Lage aus Sicht des Konzerns noch einmal eingetrübt.Insbesondere in den vergangenen Wochen habe sich der Wettbewerbsdruck aus Asien bedeutend verschärft, auch verstärkt durch die Abwertung des japanischen Yen. Die Wiesbadener rechnen nun weder im zweiten Quartal noch im restlichen Jahr mit einer Erholung im Geschäft mit Graphitelektroden und Graphitspezialitäten. Auch bei den frei verfügbaren Barmitteln (Free Cash Flow) rechnet SGL nun mit einem negativen Jahresergebnis.Stimmen am Aktienmarkt rechnen bereits mit personellen Konsequenzen bei SGL. Mit der zweiten Gewinnwarnung seit April dürfte sich die Ära von Vorstandschef Robert Köhler dem Ende zuneigen, schrieb Analystin Yasmin Moschitz von der Commerzbank. Schon am Donnerstagabend hatte ein Wertpapierhändler geäußert, dass Veränderungen auf der Managementebene nun keine Überraschung für ihn wären.Belastet wird der Konzern nach eigenen Angaben für das erste Halbjahr mit einem Steueraufwand im mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Darüber hinaus fallen im Carbon-Geschäft Wertberichtigungen von bis zu 150 Millionen Euro an. Carbonfasern von SGL werden unter anderem in der Windkraftindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt. Bereits 2012 hatte eine Flaute im Rotorblattgeschäft für Windkraftanlagen sowie Produktionsverzögerungen beim Langstreckenflieger Dreamliner von Boeing für Probleme gesorgt. Der Autobereich und damit das Joint Venture mit dem Autobauer BMW ist nach Angaben des Konzerns nicht von den Problemen betroffen.Der SGL-Vorstand werde nun in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat über Gegenmaßnahmen und mögliche Restrukturierungsprojekte entscheiden, hieß es weiter. Analyst Sebastian Ubert von der Investmentbank UBS schrieb in einer aktuellen Einschätzung , für ein solches Programm könnten mögliche zusätzliche Einmalkosten anfallen. Details gebe es jedoch noch nicht. Womöglich könnte sich SGL dazu am 8. August bei Vorlage der Zahlen zum zweiten Vierteljahr äußern. (dpa-AFX/gem)SGL Carbon senkt erneut Jahresausblick
Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hat der Kohlestoff-Spezialist und BMW-Partner SGL Carbon seine Gewinnprognose gesenkt.