Frankfurt. Die gescheiterte VW-Übernahme hat bei der Hauptversammlung des Stuttgarter Sportwagenbauers Porsche an diesem Freitag (29. Januar) ein Nachspiel. Unter den Aktionären sind viele Fragen offen geblieben, ob beim Versuch, mithilfe von Aktien-Optionen Europas größten Autobauer Volkswagen zu kaufen, alles mit Rechten Dingen zuging. Doch die eigentlichen Adressaten sitzen längst nicht mehr auf der Vorstandsbank.
Denn die Architekten der komplizierten Optionsstruktur, der damalige Porschechef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter, mussten im Juli angesichts einer erdrückenden Schuldenlast den Rückzug antreten. Inzwischen wurde mit VW-Chef Martin Winterkorn, seinem Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und dem für das operative Autogeschäft zuständigen Michael Macht ein neues Führungsteam installiert. Die neue Mannschaft dürfte bei den Aktionären für ihre Lösung werben, Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern zu integrieren.
Gefühlt dürfte der Eindruck eines Abstiegs für die einst vor Selbstbewusstsein strotzende Sportwagenschmiede bleiben. Nachfragen hinsichtlich der Zukunft der Porsche-Aktie bei der Verschmelzung mit dem VW-Konzern sind zu erwarten. Als Antwort auf die vorherzusehende Aktionärsschelte gegen das alte Management empfiehlt der Aufsichtsrat, die Entlastung der früheren Vorstände zu verschieben und zunächst die Ermittlungen der Strafverfolger abzuwarten. Denn das Gebahren von Wiedeking und Härter hatte auch die Börsenaufsicht Bafin und die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen.
Geprüft werden Vorwürfe der Marktmanipulation im Zuge des Höhenflugs der VW-Aktie sowie die Weitergabe von Insiderinformationen. Die VW-Stammaktien waren im Herbst 2008 auf zeitweise über 1000 Euro je Aktie gestiegen, nachdem Porsche offenbart hatte, Zugriff auf gut 74 Prozent der Aktien zu haben. Händler, die von einem höheren Streubesitz ausgegangen waren und Geschäfte mit geliehenen VW-Aktien machten, waren zum Kauf gezwungen - zu jedem Preis. Das Unternehmen selbst Vertritt nach einer Prüfung die Auffassung, es lägen keine Rechtsvorstöße vor. US-Investoren sehen das anders: Sie haben zu Wochenbeginn vor einem Gericht in New York Klage eingereicht und machen wegen der undurchsichtigen Aktiengeschäfte einen Schaden von mehr als über einer Milliarde Dollar geltend.