Bietigheim-Bissingen. Die Beraterfirma Porsche Consulting hat in knapp 20 Jahren ein rasches Wachstum hingelegt. Aus anfangs nur einer Handvoll Leuten wuchs ein Unternehmen mit 340 Mitarbeitern, 70 Millionen Euro Jahresumsatz (2011) und Filialen in vier Ländern. "Die Startmannschaft bestand aus fünf Mitarbeitern. Einer unserer ersten Kunden war ein Möbelhersteller. Statt eines Beratungshonorars haben wir uns als Vergütung die erste Büroausstattung liefern lassen", sagt der Chef Eberhard Weiblen, seit dem Start 1994 dabei.
Die Aufträge stammten heute aus vielen Branchen. "Im letzten Jahr haben wir 70 Millionen Euro Umsatz gemacht und aller Voraussicht nach werden wir dieses Jahr wieder ein zweistelliges Wachstum ausweisen können", so Manager Weiblen. "Es hat sich herumgesprochen, dass bei der Restrukturierung von Porsche gute Arbeit geleistet wurde. Danach kam ein Projekt zum anderen und eine Branche zur nächsten." Vieles aus der Autoindustrie lasse sich auch in andere Bereiche übertragen.Oft lade die Beraterfirma Kunden ins Autowerk nach Zuffenhausen ein - darunter Mediziner. "Bei Porsche arbeitet der Mitarbeiter in der Sportwagenproduktion wie der Chirurg im Operationssaal: Alles, was er für seine Aufgabe braucht, liegt griffbereit direkt am Arbeitsplatz", sagte Weiblen. Nur so könnten sich Arzt und Arbeiter voll auf ihre Tätigkeit konzentrieren. Keiner müsse in Kisten wühlen und Teile oder Instrumente suchen. Für die Zukunft ist er guter Dinge: "Ich kann mir gut vorstellen, dass unser Geschäft in den nächsten fünf Jahren doppelt so groß wird."Porsche-Berater punkten längst auch fern der Autoindustrie
Porsche Consulting kündigt ein zweistelliges Wachstum für 2012 an. Im vergangenen Jahr hat die Beraterfirma 70 Millionen Euro Umsatz gemacht. Das Unternehmen erhält nicht nur Aufträge aus der Autoindustrie, sondern mittlerweile aus vielen Branchen.
Erfahrung einer straff organisierten Autofabrik hilft in anderen Branchen
Gerade der deutsche Beamtenapparat kann aus Sicht der Porsche-Unternehmensberatung noch einiges von den Sparfüchsen der Autobranche lernen. "Die Automobilindustrie steht unter hohem Druck: Sie muss immer mehr Leistung herausbringen. Gleichzeitig muss die Qualität steigen und die Kosten sollen sinken. Wahrscheinlich wollen deshalb andere Branchen von ihr lernen", so Weiblen.
"Es mag komisch klingen, wenn wir einerseits von Autos reden und andererseits von Menschen. Aber bei Planung und Logistik gibt es viele Gemeinsamkeiten», beschreibt Weiblen das Grundprinzip. "Bei einem unserer ersten Klinikprojekte beobachteten wir, wie sich jeden Morgen Ärzte und Pfleger vor einer Planungstafel trafen und eine Stunde über die Bettenbelegung diskutierten. Darüber konnten wir nur mit dem Kopf schütteln – das war doch verlorene Zeit, die sich besser für die Behandlung der Patienten nutzen ließe."Es half die Erfahrung einer straff organisierten Autofabrik: "Wir haben die klinischen Planungskriterien ein wenig optimiert und vor allem einem einzigen Arzt die Funktion des Patientenmanagers zugeordnet. Der erledigte dann in 50 Prozent seiner Arbeitszeit die Planung, den Rest behandelte und operierte er", sagt Weiblen. Mittlerweile ist das Gesundheitssystem ein Schwerpunkt von Porsche Consultig, in diesem Bereich hatten die Schwaben schon 70 Klinikprojekte.Neben den Hauptaktivitäten in der Auto- und Luftfahrtbranche gebe es bei Porsche Consulting praktisch keinen Wirtschaftszweig, der nicht als Betätigungsfeld infrage käme. "Mir ist es im Prinzip gleich, ob es um Kaffeesahne oder Hubschrauber geht." Die Schwierigkeit sei weniger die Komplexität der Prozesse, sondern eher der Umgang mit den unterschiedlichen Firmenkulturen. "Wir müssen die Menschen motivieren, anders über ihr eigenes Geschäft nachzudenken: Wenn sie selbst Veränderungsprozesse mit Begeisterung vorantreiben, weil sie merken, dass es klappt, dann haben wir gewonnen", so Weiblen.Entsprechend breit sei der Kundenkreis. "Bei Schulungen in unserer Porsche-Akademie hatten wir schon Militärpiloten, Verwaltungsrichter, Einzelhändler, Krankenhausdirektoren, Medienmanager oder Software-Entwickler." Die Juristen etwa hätten lernen wollen, wie man hohes Fallaufkommen oder das Aufrollen alter Fälle effizient angeht.Bei einem Optimierungsthema dürfte Weiblen unter den Autofahrern viele Fans finden: "Bei Baustellen ist nun wirklich noch viel zu holen. Egal ob auf Autobahnen oder innerstädtisch", meint der Consulting-Chef. "Der volkswirtschaftliche Schaden, der da beim Warten entsteht, wird ja auf keiner Rechnung gesondert ausgewiesen." (dpa/kix)