Stuttgart/Wolfsburg. Des einen Freud' ist bekanntlich des Andren Leid. Bei VW-Patriarch Ferdinand Piëch stimmt das so nicht. Er sitzt nach Porsches gescheiterten Übernahmekampf bei VW zwischen den Stühlen, zwischen Genugtuung und Kummer. Als Großaktionär bei der Porsche Dachgesellschaft SE leidet er unter den Folgen der Schlacht, die Klagewellen auslösten und die SE-Bilanz verhageln. Der Ehewunsch der einstigen Feinde Porsche und VW - ein Debakel. Andererseits verbindet Piëch mit dem Machtkampf damals einen seiner größten Siege.
Piëchs Großvater brachte den Käfer zur Serienreife. VW und Porsche endlich zusammenzuführen ist eine der größten Baustellen bei Piëchs Ziel, die Wolfsburger zum weltgrößter Autobauer zu machen. Doch ausgerechnet Porsche wirkt nun wie eine Zeitstrafe im Autorennen. Zwar bekräftigte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn auch bei der Porsche-SE-Bilanzpressekonferenz am Donnerstag den Ehewunsch. Nur ein Termin für die Hochzeit steht noch immer nicht. Die Hängepartie belastet die SE. Von 4,66 Milliarden Euro Ertrag blieben 2011 nur 59 Millionen Euro.
Nach dem Übernahmedesaster 2009 lähmen nun ungeklärte Milliardenklagen und heikle Steuerfragen alles. Das jüngste Kapitel traf Piëch selber: Das Oberlandesgericht Stuttgart entschied, der 74-Jährige habe als Aufsichtsrat der Porsche SE eine «schwerwiegende Pflichtverletzung» begangen. Diese Entscheidung dürfte für den mächtigen Automanager eine Ohrfeige sein.
Hintergrund der Geschehnisse ist eine Machtdemonstration Piëchs. Während der heißen Phase des Übernahmekampfes 2009 verteilte er vor Journalisten eine Breitseite gegen Porsches damaligen Chef Wendelin Wiedeking, hinter dem Porsche-Erbe und Piëch-Cousin Wolfgang Porsche stand. Piëch ließ durchblicken, dass er nicht genügend wisse über die Finanzgeschäfte, mit denen die SE seinerzeit nach der Macht bei den Wolfsburgern griff. Das holt den Patriarchen nun juristisch ein.