Stuttgart/Düsseldorf. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) hat den für die Autobauer VW und Porsche möglichen Steuertrick als "Perversion" bezeichnet. "Auch wenn es legal ist - Missbrauch ist es trotzdem", sagte er am Montag laut Mitteilung im Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages. "Ich werde deshalb eine Prüfbitte des Bundesrates an die Bundesregierung veranlassen", kündigte Walter-Borjans an.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa und der "Wirtschaftswoche" erlaubt ein Hintertürchen im Steuergesetz, dass VW die zweite noch fehlende Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäftes (Porsche AG) steuerfrei von der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE übernimmt. Dieser Trick wird möglich, da die drei Beteiligten schon eng miteinander verbandelt sind und die Porsche SE die Mehrheit an den VW-Stammaktien hält. Alle Beteiligten gelten damit als eine Art Großunternehmen. Das Gesetz erlaubt es in diesem Konstrukt, einen Kauf als interne Umstrukturierung auszuweisen – was steuerfrei ist.
Normalerweise werden bei einem solchen Geschäft gleichwertig Anteile getauscht – für die etwa 4,5 Milliarden Euro teure Hälfte der Porsche AG müssten also für gewöhnlich VW-Aktien im Gegenwert fließen. Doch das Gesetz erlaubt es auch, den Umbau statt mit Anteilen auch mit Geld zu verrechnen und Aktien und Bares dabei in der Waagschale zu variieren. Einzige Bedingung: Der die Anteile übernehmende Partner – in diesem Fall die Porsche SE–- muss nach dem Deal die Mehrheit am anderen Partner haben. Doch das ist ja schon heute der Fall. Daher reicht eine einzige Aktie plus 4,5 Milliarden Euro. Das ist zwar das Extrem, aber laut Experten völlig legal.
Minister Walter-Borjans (SPD) sieht das anders. Wenn ein Weltkonzern wie VW, der die deutsche Wirtschaft wie kaum ein anderer repräsentiere, den Geist eines Gesetzes derart aushebele, werfe das ein denkbar schlechtes Licht auf die Steuermoral in Deutschland.