Wolfsburg. Man könnte meinen, Volkswagen hat im Moment ganz andere Sorgen. Nach dem Abgas-Skandal rollen gewaltige Kosten auf den Konzern zu, zahlreiche Manager mussten gehen. Dennoch will der neue VW-Chef Matthias Müller jetzt eine großangelegte Strukturreform durchdrücken, über der die Führungsetage schon lange vor Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen gebrütet hatte.
«Es wird nicht mehr alles hier in Wolfsburg entschieden werden», sagte Müller am Dienstag in seiner Rede auf der VW-Betriebsversammlung. «Schlanker und schneller» soll der Konzern nach Müllers Worten werden: «Ich werde es zum Beispiel nicht akzeptieren, dass Dutzende Experten in Steuerkreisen sitzen müssen oder bei Abnahmefahrten herumstehen, während zu Hause die Arbeit liegen bleibt.» Der neue Chef verspricht nicht weniger als einen «Neuanfang».
Bislang lief im VW-Imperium alles über Wolfsburg. Vor allem Ex-Patriarch Ferdinand Piëch und der frühere Konzernchef Martin Winterkorn mussten zudem immer wieder Kritik für einen autoritären Führungsstil einstecken. Legendär ist ein Video von der Automesse IAA, in dem Winterkorn einen Designer zusammenfaltet. «Da scheppert nix», lobt Winterkorn den Wagen vom Konkurrenten Hyundai, in dem er gerade sitzt.
Mit dem Kommando-Ton im Konzern soll jetzt Schluss sein. «Ich mag es, wenn ein Mitarbeiter für seine Überzeugung einsteht und mit guten Argumenten dafür kämpft», sagt Müller. «Konstruktive Kritik ist bei mir auf allen Ebenen erlaubt.» Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh fordert seit langem einen «grundlegenden Kulturwandel» bei VW. Man müsse auch mit den Chefs «um den besten Weg streiten» dürfen.