Tokio. Dicker hätte es für Japans Wirtschaft kaum kommen können. Die vom großen Nachbarn China gerade zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt degradierte Hightech-Nation erholt sich langsam wieder vom Lehman Brothers-Schock - da folgt auch schon der nächste Tiefschlag: Ein ungeheueres Erdbeben der Stärke 9,0 und ein Jahrhundert-Tsunami verwüsten am 11. März 2011 den Nordosten des Landes und machen die Hoffnung auf eine schnelle Erholung zunichte.
Die gewaltigen Fluten walzen Produktionsanlagen nieder und zerreißen die Zulieferketten so wichtiger Unternehmen wie Toyota. Es kommt weltweit zu enormen Produktionsausfällen und Absatzproblemen. Die japanischen Verbraucher stehen unter Schock. Aus Angst vor der Zukunft und weiteren Katastrophen halten sie sich mit Ausgaben plötzlich drastisch zurück und sparen ihr Geld lieber.
Heute, ein Jahr nach «3/11», sind diese Folgen der Katastrophe weitgehend im Griff. Die Lieferketten waren bereits bis zum Sommer vergangenen Jahres, also nur wenige Monate nach Beginn der Katastrophe, wieder größtenteils hergestellt - viel schneller, als manche Ökonomen gedacht hatten. Doch ehe es sich Japans Unternehmensführer versahen, folgte bereits der nächste Schlag. Wieder waren es Naturgewalten, diesmal im benachbarten Thailand.
Abermals wurden die Zulieferketten unterbrochen, betroffen waren vor allem die Elektronik- und die Autoindustrie. Hinzu kommt der rasante Höhenflug des Yen, den die Anleger in Zeiten der europäischen Schuldenkrise als «sicheren Hafen» ansteuern. Das verteuert Japans Ausfuhren.