New York. Die Finanzbranche nimmt die japanischen Autofirmen verschärft ins Visier: Die einflussreiche US-Ratingagentur S&P droht damit, die Kreditwürdigkeit von Toyota, Honda, Nissan sowie drei Zulieferern zu senken, wenn sich die Produktionsausfälle nach dem verheerenden Erdbeben in Japan bis ins kommende Jahr hinzögen. Eine schlechtere Rating-Note bedeutet üblicherweise, dass ein Unternehmen höhere Zinsen für Kredite bezahlen muss. An der Börse in Tokio gehörten Autotitel zu den größten Verlierern.
S&P senkte den Ausblick für die Autobauer und -zulieferer von "stabil" auf "negativ". Die Hersteller leiden seit der Katastrophe unter Teilemangel und Stromknappheit. Selbst im Ausland stehen die Werke vielfach still, weil der Nachschub aus der Heimat ausbleibt. Die S&P-Experten schätzen, dass die Produktion in der japanischen Autobranche derzeit nur auf halber Kraft läuft. Erst um den Oktober herum, so schätzen sie, dürften die Probleme weitgehend überwunden sein.
An der Börse in Tokio zählten Autowerte am Dienstag zu den größten Verlierern: So sanken Toyota um 2,44 Prozent und Honda um 1,61 Prozent. Das wichtigste japanische Börsenbarometer, der Nikkei-Index für 225 führende Werte, ging mit einem Minus von 113,27 Punkten oder 1,17 Prozent aus dem Handel und schloss bei 9558,69 Punkten. Die Tageszeitung "Nikkei Business Daily" geht auf Basis eigener Berechnungen davon aus, dass wegen der im März gewaltig gestiegenen Produktionskosten infolge der Katastrophe deutliche Umsatzeinbußen zu befürchten sind.
Der weltgrößte Autobauer Toyota hatte bereits angekündigt, wohl erst im November oder Dezember zur Normalität zurückzukehren. Einige Analysten fürchten, dass der Konzern wegen der Ausfälle seine Führungsposition in der Branche an General Motors oder Volkswagen verlieren könnte. In die gleiche Kerben schlagen auch die S&P-Experten: Die japanischen Hersteller könnten Marktanteile verlieren und auch auf längere Sicht im Wettbewerb schlechter dastehen, schrieben die Experten.