Wiesbaden. Beim Kohlenstoffspezialisten SGL Group steht nach einem unerwartet deftigen Gewinneinbruch ein weiteres schwieriges Jahr an. "Konjunktureller Rückenwind ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten", schrieb Vorstandschef Robert Koehler am Donnerstag an die Aktionäre. Probleme bei den Hoffnungsträgern Carbonfasern und Verbundwerkstoffen, die die Hessen etwa an Auto- und Flugzeugbauer liefern, schlugen 2012 überraschend stark auf den Überschuss durch. Da konnte ein solides Abschneiden in den Hauptgeschäften mit der Stahlindustrie und Graphiten für die Kunden in der Chemie, Tech- und Solarbranche den Absturz unter dem Strich nur wenig abdämpfen.
Der Überschuss brach 2012 entsprechend um 90 Prozent auf 7,2 Millionen Euro ein. Das Betriebsergebnis sackte um knapp 40 Prozent auf 100 Millionen Euro ab. Analysten hatten nicht mit so deutlichen Rücksetzern gerechnet. Die im MDax notierte Aktie verlor am Morgen 3,47 Prozent und gehörte damit zu den schwächsten Werten im Index.
Die Aktionäre können sich immerhin über eine unveränderte Dividende von 20 Cent pro Aktie freuen. Für 2013 stellt Koehler nach einem Plus von elf Prozent auf 1,7 Milliarden Euro 2012 einen leicht steigenden Umsatz in Aussicht. Der operative Gewinn dürfte aber weiter sinken. Das EBITDA werde rund zehn bis 15 Prozent unter dem Vorjahreswert von 239,7 Millionen Euro liegen, hieß es. Neue Kapazitäten drängten auf die Märkte und sorgten für zusätzlichen Druck auf Preise und Margen, schrieb Koehler. Die Kosten für Energie und Rohstoffe dürften weiter steigen. Die Kunden bestellten angesichts dieser Lage weiterhin kurzfristig und machten das Geschäft wenig planbar.
Im Geschäft mit Carbonfasern, wie sie unter anderem im Gemeinschaftsunternehmen mit dem Autobauer BMW für den automobilen Leichtbau produziert werden, lief es weiter schwach. Unter anderem drückten die anhaltende Flaute im Rotorblattgeschäft für Windenergieanlagen und die ebenfalls bekannten Produktionsverzögerungen beim Langstreckenflieger Dreamliner auf das Ergebnis. Bereits im Herbst hatte der Konzern millionenschwere Abschreibungen vornehmen müssen. Der operative Verlust vor Zinsen und Steuern weitete sich - auch bereinigt um die Wertberichtigungen - auf fast 40 Millionen Euro aus, nach Minus 16,9 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs indes vor allem wegen eines Zukaufs. Im laufenden Jahr werde der Umsatz in der Sparte moderat zulegen und sich der um Abschreibungen bereinigte operative Gewinn ebenfalls moderat verbessern, hieß es. Eine Trendwende sei aber nicht in Sicht. "2013 wird hier mit dem Start der BMW i-Serie und dem Ram-up der Boeing 787 ein Entscheidungsjahr", sagte Koehler.