Limburg. Für viele Hersteller sind auf der Messe in Frankfurt/Main (13. bis 23. September) Hybrid-Modelle mit einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor ein Thema. Allzu viel Marktfertiges gibt es nach Angaben von Experten dort aber noch nicht zu sehen. "Hier erleben wir die Ruhe vor dem Sturm", sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg. Jeder Hersteller rede von seinen Projekten, aber die Ergebnisse seien für Verbraucher noch nicht greifbar. Messebesucher erwarte daher "viel Lärm, aber wenig Handfestes". Bislang blieben Toyota mit dem Prius, Lexus mit seinen Modellen RX 400h und GS 450h sowie Honda mit seinem Civic Hybrid in Europa die Alleinvertreter der Zukunftstechnik. Die anderen Hersteller arbeiteten noch an der Serienreife ihrer Hybridantriebe.
Das Prinzip dieser Technik ist einfach: Zwei Antriebe ergänzen sich gegenseitig, um Energie einzusparen. So hilft der Elektromotor beim Anfahren und im Stadtverkehr, da er schon bei niedrigen Drehzahlen viel Kraft entfaltet. Bei höherem Tempo etwa auf der Autobahn übernimmt der Verbrennungsmotor und lädt gleichzeitig die Batterie über einen Generator auf. Zusätzlich lässt sich beim Bremsen Energie zurückgewinnen und Sprit durch ein Start-Stopp-System sparen, das den Motor etwa beim Halten an Ampeln kurzzeitig ausstellt.
Die Vorzüge dieser Technik haben auch die deutschen Hersteller erkannt und wollen nun verlorenen Boden wettmachen. Neben VW und Audi arbeiten auch Mercedes-Benz und BMW an Konzepten. Klein angefangen haben die Münchner schon, indem sie den 1er Anfang 2007 mittels Start-Stopp-Technik und Bremskraftrückgewinnung zu einem sogenannten Micro-Hybrid umgerüstet haben. Auch das auf der IAA vorgestellte 1er-Coupé dürfte diese Effizienztechnik später erhalten. Volkswagen entwickelt einen Hybridantrieb, der Medienberichten zufolge kleiner und leichter sein soll als bisherige Systeme. "Downsizing ist auch hier wichtig, um Gewicht einzusparen und so den Verbrauch niedrig zu halten", sagt Sprecher Hans-Georg Bode in Wolfsburg.
Audi setzt weiter auf seinen Q7 Hybrid, der schon als Studie gezeigt wurde und im kommenden Jahr in Serie gehen soll. Laut dem Unternehmen wird das SUV einen 4,2 Liter großen V8-Benziner mit einer Leistung von 257 kW/350 PS unter der Haube haben, der ein maximales Drehmoment von 440 Newtonmetern (Nm) erreicht. Die Elektromaschine unterstützt den Ottomotor mit einer Leistung von 32 kW/44 PS und einem Drehmoment von 200 Nm. Der Verbrauch liege mit 12 Litern auf 100 Kilometer um 13 Prozent niedriger als beim Basismodell.
Auch der Sportwagenbauer Porsche reagiert auf die Klimadiskussion: Auf der IAA wird eine Full-Hybrid-Variante des Geländewagens Cayenne gezeigt. Auf den Markt soll der Wagen bis zum Jahr 2010 kommen, sagt Porsche-Sprecher Eckhard Eybl in Stuttgart. Im Hybrid-Cayenne soll der Elektromotor 38 kW/54 PS leisten und im reinen E-Betrieb eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern (km/h) erlauben. Der Wagen soll 8,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen - 4,0 Liter weniger als der bislang sparsamste Cayenne. Der CO2-Ausstoß wird dem Unternehmen zufolge bei rund 216 Gramm pro Kilometer liegen.
"Man merkt zwar, dass hierzulande ein Bewusstseinswandel in der Öffentlichkeit stattfindet - die Entwicklung steckt in Deutschland aber noch in den Kinderschuhen", sagt Karsten Rehmann von Toyota in Köln. Dabei seien immer mehr Käufer bereit, auf Hybridtechnik umzusteigen: So verzeichnete Toyota bei seinen Hybriden in diesem Jahr eine Absatzsteigerung von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Seit 1997 haben Toyota und seine Luxusmarke Lexus weltweit mehr als eine Million Autos mit Hybridantrieb verkauft.
Fortschritte in der Hybridtechnik sind laut Rehmann unter anderem bei den Batterien zu erwarten: Neu sind etwa Elektromotoren, die Fahrer auch in der Garage wieder aufladen können. Damit soll es einfacher werden, Kurzstrecken im reinen Elektrobetrieb zu fahren. Als erster Hersteller testet Toyota ein Prius-Modell mit "Plug-in"-Technik in Japan. Auf der IAA können Besucher ein entsprechendes Konzeptauto beim Zulieferer Johnson Controls ansehen.
Auch die Idee eines Diesel-Hybrids ist nicht länger Zukunftsmusik. Peugeot zeigt auf der Messe eine Studie des neuen Kompaktmodells 308 mit einem Diesel-Elektromotor. Durch diese Kombination lasse sich der Verbrauch um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Basismodell senken, so ein Sprecher von Peugeot Deutschland in Saarbrücken. Der Verbrauch des 308 Hybrid HDi soll bei 3,4 Litern Diesel je 100 Kilometer liegen. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 90 Gramm pro Kilometer. Auf den Markt kommen soll die Hybrid-Variante bis zum Jahr 2010.
Umweltschützern gehen die Pläne der Autobauer noch nicht weit genug: "Die meisten benutzen Hybridtechnik als reine Imagepflege", sagt Marc Specowius, Verkehrsexperte von Greenpeace in Hamburg. Wagen wie der Porsche Cayenne Hybrid seien viel zu schwer und hätten dadurch einen enormen Verbrauch. Auch Nick Margetts dämpft die Erwartungen: "Zu viele Fahrer sehen alternative Antriebe als Allheilmittel und glauben, dass unsere PS-reiche Autowelt damit sauber gemacht werden kann - so einfach ist das aber leider nicht." (dpa/feb)