Frankfurt/Main. Die Klimadebatte hat die Traditionshersteller in Europa und den USA ziemlich kalt erwischt. Das Thema Klimawandel bringt sie in permanente Erklärungsnot und lässt ihren Absatz schrumpfen. In Deutschland sanken die Neuzulassungen seit Jahresbeginn um mehr als acht Prozent. Verlorenes Terrain wollen sie mit vielen "grünen Autos" zurückerobern, die auf der Internationalen Automobilausstellung IAA (13.-23.9.) in Frankfurt gezeigt werden.
Den Klimaschutz als Ziel hat die EU-Kommission den europäischen Herstellern vorgegeben. Die Brüsseler Behörde will bis zum Jahr 2012 einen Grenzwert von durchschnittlich 130 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer festlegen. Derzeit sind es im Schnitt noch 161 Gramm. Um die Abgasnormen zu erfüllen, müssten die deutschen Hersteller nach einer Berechnung des Beratungsunternehmens Roland Berger jedes Jahr bis zu drei Milliarden Euro mehr ausgeben. "Der Zwang zu schadstoffarmen Antriebssystemen kann schnell zum Ergebniskiller werden", schreiben die Experten. Als Lösung schlagen sie vor, die Zahl der Motorenvarianten zu verringern, um höhere Stückzahlen zu erreichen, und die Modelle besser zu vermarkten.
Denn die deutschen Hersteller sind für ihre Ingenieurkunst berühmt, aber auch für ihre schlechte Vermarktung berüchtigt. Unbestritten ist ihr Verdienst, den Diesel sauberer gemacht zu haben. Zudem ist der Gesamtverbrauch deutscher Neuwagen seit 1990 um ein Viertel gesunken. "Die deutsche Industrie war schon vor Jahren ihrer Zeit voraus mit dem Drei-Liter-Auto Lupo von VW und dem ersten Hybrid von Audi", sagt Ulrich Höpfner vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu). "Aber dann haben sie nur noch der Autovernarrtheit gehuldigt."
Die Industrie habe das Thema Umweltschutz verschlafen; Dreiwegekatalysator und Dieselpartikelfilter wurden erst zögerlich und nach der ausländischen Konkurrenz eingeführt. Die Fahrzeuge wurden in den vergangenen Jahren immer schwerer und damit auch durstiger. Noch härter fällt die Kritik des ehemaligen BMW- Chefvolkswirts und Leiters des Beratungsinstituts IWK, Helmut Becker, aus: "Unverdrossen verpulvert die deutsche Autoindustrie ihre Entwicklungsmilliarden für Größer, Schwerer, Schneller, anstatt in Kleiner und Verbrauchsärmer zu investieren."
In der Öko-Falle stecken auch die großen US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler. Sie haben jahrelang auf schwere Pick-ups und Geländewagen gesetzt, die höhere Profite pro Fahrzeug einbringen. Nach dem Anstieg der Benzinpreise gehen die Fahrzeuge nicht mehr so weg, verbrauchsarme Wagen der Konkurrenz aus Japan, Korea und Europa sind gefragt. In ihrer Not haben GM und Ford ihre europäischen Töchter neu entdeckt und wollen deren sparsamere Modelle wie den Opel Astra in den USA verkaufen.
Die deutsche Industrie will nun das Image des Klimakillers loswerden. Alle Hersteller werben für saubere und sparsame Motoren. Auf der IAA wird eine Vielzahl Hybrid-Autos - eine Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor - zu sehen sein. Die großen deutschen Hersteller Mercedes, BMW, VW, Audi und Porsche planen deren Markteinführung 2009. Aber auch neue Motorentechnologien, Start-Stop- Systeme und einfache Bremsenergie-Rückgewinnung werden gezeigt. Mercedes setzt auf die verbrauchsarme Diesel-Technologie "Bluetec". Opel zeigt ein Elektroauto. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kündigt ein "Ideenfeuerwerk für sparsame Autos" zur IAA an.
Umweltfreundliche Technologie ist allerdings auch eine Preisfrage. Sie wird Neuwagen laut Schätzungen um bis zu 2000 Euro verteuern. Noch sind nur wenige Kunden bereit, soviel draufzuzahlen, ein allgemeiner Bewusstseinswandel ist nicht zu sehen. Hybrid-Fahrzeuge verkaufen sich nur in Stückzahlen von wenigen Tausend, aber die Nachfrage nach spritfressenden Geländewagen nahm im ersten Halbjahr um sechs Prozent zu. (dpa/feb)