New York. Ford-Chef Alan Mulally wirkt so gar nicht wie ein Spitzenmanager. Er hat nichts Überhebliches an sich, er markiert auch nicht den harten Kerl oder lässt den Chef heraushängen. Im Gegenteil: Er wirkt wie einer, den Schwiegermutter gerne zum Kaffee einladen würde. Und doch führt dieser Mann einen Weltkonzern mit 166.000 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz von 121 Milliarden Dollar und einem Gewinn von unterm Strich 6,6 Milliarden Dollar. Vor allem aber: Mulally hat den Koloss vor dem scheinbar sicheren Bankrott bewahrt. Nun will er Ford zurück in die Topliga der Autobauer bringen.
"Ford ist ein wachsendes Unternehmen in einem wachsenden globalen Automarkt", rief Mulally den Investoren bei deren Treffen am Dienstag in New York zu und zeigte ihnen, wo er hin will: Die Verkäufe sollen bis zum Jahr 2015 um satte 50 Prozent auf rund 8 Millionen steigen. Vor allem in den Schwellenländern Asiens, wo Ford derzeit schwach aufgestellt ist, will Mulally zulegen. Das ist eine Kampfansage an das Führungstrio Toyota, General Motors und Volkswagen. Die drei Autoriesen schlagen dort einen guten Teil ihrer Fahrzeuge los.
Im vergangenen Jahr kam Ford auf 5,3 Millionen verkaufte Autos und landete damit im Mittelfeld der Branche. Zwischenzeitlich war sogar das aufstrebende südkoreanische Gespann Hyundai/Kia an dem US-Traditionshersteller vorbeigezogen - das dürfte bei einigen altgedienten Ford-Werkern für Kopfschütteln gesorgt haben. Die Weltspitze war im vergangenen Jahr uneinholbar weit weg: Toyota verkaufte 8,42 Millionen Autos, General Motors kam auf 8,39 Millionen und Volkswagen auf 7,14 Millionen Fahrzeuge.
Ford will nun aufholen mit abgespeckten, aber dafür günstigeren Autos für die Milliarden potenziellen Kunden in den Schwellenländern. Wenn einer das Kunststück schafft, dann Firmenlenker Mulally. Bis er antrat, galt Ford als hoffnungsloser Fall. Die Modellpalette war veraltet, die Qualität zweifelhaft, die Werke mussten dringend renoviert werden und zudem lasteten gigantische Gesundheits- und Pensionskosten auf dem Konzern. Jahr für Jahr liefen horrende Verluste auf, immer mehr Kunden wandten sich ab. Das Ende schien nur eine Frage der Zeit.