Wolfsburg. Rund jedes dritte Fahrzeug setzt VW in China ab. Asiens Riesenreich mit seinem atemberaubendem Wachstum spielt eine zentrale Rolle als Gegenpol zu Europas Absatzkrise. Christian Hummel, China-Experte des Beratungsunternehmens Capgemini Consulting, sieht für die Zukunft dort viele positive Anzeichen - aber auch einige Risiken.
Unter welchen Vorzeichen steht das Autojahr in China?
Hummel: «Man geht nach wie vor von einem gesunden Wachstum des Gesamtmarktes und einer weiteren sehr guten, also zweistelligen Entwicklung des Premium-Marktes aus, wobei insbesondere die automobile Oberklasse zulegt. Insgesamt ist ein kleiner "Rückstau" entstanden. Dadurch ist eine zusätzliche Nachfrage gegeben vor allem in den Regionen abseits der Metropolen, die durch neue Händler bedient werden.»
Rechnen alle Autobauer durch die Bank mit brummendem Geschäft?
Hummel: «Die Einschätzung differiert ein wenig von Hersteller zu Hersteller - Autobauer mit einem überalterten Modellmix befürchten intern eine Stagnation zum Vorjahr, was aber zusammen mit dem guten US-Geschäft die teils herben Verluste in Europa noch ausgleichen dürfte. VW wird hier aufgrund seiner nach wie vor hohen Marktmacht als einer der Gewinner gehandelt.»
Welchen Anlass zur Sorge gibt es?
Hummel: «Schon bekannte Risiken: Eine verstärkte Regulierung und Fokussierung auf heimische Hersteller (in China), auch um der Überkapazitäten Herr zu werden. Hier ist noch nicht ganz klar, wie sich die neue Parteiführung aufstellt. Ein anderes Thema bleibt die stärkere umweltpolitische Regulierung, die ja in China auch kurzfristig kommen kann. Ein Beispiel ist die Einführung der Abgasnorm Euro-5 in Peking. Hier können die deutschen Hersteller profitieren - solange es nicht darum geht, die gesamten Zulassungen einzuschränken. Natürlich droht am Horizont auch immer noch eine deutliche Verschärfung der europäischen Schuldenkrise, die dann auch China treffen könnte.» (dpa/swi)