Braunschweig. In die jahrelange juristische Aufarbeitung des Übernahmepokers zwischen VW und Porsche kommt Bewegung. Die von einer Klagewelle überzogene Justiz könnte in diesem Sommer einen wichtigen Meilenstein in der Auseinandersetzung nehmen und gleich bei einem ganzen Verfahrensbündel erste Urteile fällen. Das Landgericht Braunschweig kündigte am Mittwoch an, aller Voraussicht nach schon am 30. Juli Entscheidungen für alle fünf Klagen verkünden zu wollen, die sich dort derzeit um die Thematik Übernahmekampf drehen.
«Das ist heute hier der Startschuss für eine kleine Porsche-Rallye», sagte der Vorsitzende Richter am Braunschweiger Landgericht, Stefan Puhle, zur Fortsetzung der mündlichen Verhandlung für das kleinste der fünf Verfahren, mit denen sich die 5. Zivilkammer noch beschäftigt. Zwei ähnliche Fälle sind bereits abgewiesen und beendet.
Bei dem von Puhle am Mittwoch erörterten Verfahren (5 O 401/13) klagt ein selbstständiger Finanzdienstleister aus Bad Homburg gegen die Porsche-Mutter PSE auf gut 130.000 Euro Schadenersatz. Sein Fall ähnelt den übrigen vier, die parallel in Braunschweig anhängen.
Es geht um den Zeitpunkt und den Inhalt von Pflichtmitteilungen an die Finanzwelt und um Pressemitteilungen aus dem Jahr 2008, als sich die Porsche-Holding PSE anschickte, ihren Anteil am VW-Konzern zu erhöhen. Im Frühling hieß es, die PSE strebe dabei nicht nach der vollen Kontrolle der Wolfsburger - im Herbst war dann das Gegenteil der Fall. In diese Monate fallen die ersten Beben der Finanz- und Wirtschaftskrise. Sie und der Kurs der VW-Aktien, nach denen die PSE griff, waren ein lukratives Umfeld für Wetten auf den VW-Kurs.