Hannover/Wolfsburg. Zeitenwende, Ende einer Ära, historische Zäsur: Nach dem dreiwöchigen Machtkampf ist bei Volkswagen nichts mehr so, wie es vorher war. Richtig sichtbar wird dies zum ersten Mal an diesem Dienstag, bei der VW-Hauptversammlung - denn der «Alte» wird aller Voraussicht nach fehlen: Ferdinand Piëch, der Verlierer der Schlacht um die Führungsspitze, langjähriger Vorstands- und Aufsichtsratschef bei Europas größtem Autobauer, ein Patriarch a.D., eine Führungs- und Vaterfigur, die dem Konzern abhandengekommen ist.
Und so dürfte es ein ungewohntes Bild sein, das sich den VW-Aktionären bietet. Nicht Piëch, sondern ein Gewerkschafter leitet die Hauptversammlung in der riesigen Halle 2 auf dem Messegelände in Hannover: Berthold Huber. Seit dem Rücktritt des 78-jährigen Piëchs ist der 65-jährige frühere Chef der IGMetall kommissarischer Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats.
Bis vor kurzem noch schien dies kaum vorstellbar: VW ohne Piëch. Jahrzehntelang hatte der Großaktionär als Audi-Chef, später dann Konzernchef und schließlich Aufsichtsratsvorsitzender Volkswagen gelenkt, er war das Machtzentrum bei dem Autobauer, sein Wort war Gesetz - nicht nur, weil er gleichzeitig auch VW-Großaktionär ist.
Rückblick, VW-Hauptversammlung 2014: Strahlend und Seite an Seite kommt das Traumduo an der VW-Spitze zum Aktionärstreffen. Aufsichtsratsboss Piëch und sein Vorstandschef Martin Winterkorn wirken gelöst, der Konzern steht glänzend da. Pünktlich zum Aktionärstreffen kommt noch die Nachricht, dass VW den schwedischen LKW-Bauer Scania komplett übernehmen kann. Winterkorn sagt der Konkurrenz den Kampf an: VW wolle im Nutzfahrzeuggeschäft an die Spitze der Branche, vorbei am Konkurrenten Daimler.