Stuttgart. Für Wendelin Wiedeking ist es eine Reise in seine Vergangenheit. Fast eineinhalb Stunden spricht der Porsche-Topmanager außer Diensten zum Prozessauftakt vor demStuttgarter Landgericht amDonnerstag über seinLeben, seinenErfolg, seine weiße Weste. Die Anklage wegenMarktmanipulation in der VW-Übernahmeschlacht 2008 sei haltlos, er habe sich nichts vorzuwerfen, sagt er in dem Verfahren (Aktenzeichen 13 KLs 155 Js8342).
Und dann erzählt der heute 63-Jährige, wie das damals so gewesen sei - als er 1992 Chef des existenzbedrohten Sportwagenbauers Porsche wurde und ihn danach zum profitabelsten Fahrzeughersteller der Welt gemacht habe. Der Angeklagte ist begeistert beimBlick zurück auf seine Gestaltungskraft («Organisatorisch blieb in dem Unternehmen kein Stein auf dem anderen») und seinenErfolg: «Wir haben demUnternehmen seinenStolz zurückgegeben.» DenVorwurf der frühzeitigen illegalen Mauscheleien mit hochriskanter Zockermentalität weist er von sich: «Wir warenVisionäre, aber keine Spieler.»
Nun sitzt Wiedeking auf der Anklagebank. Doch es soll kein Tiefpunkt in seinem Leben sein:Selbstsicher und erhobenen Hauptes geht er in denGerichtssaal, wirft wartendenJournalisten denSatz «Ich bin unschuldig» zu. Als er im Gerichtssaal auf denBeginn der Verhandlung wartet, steht er einige Minuten mal lächelnd, mal lachend, mal bedächtig guckend neben seinenAnwälten. Niedergeschlagen?Mitnichten.