Karl Brauer vom US-Branchenanalysten KBB erklärt die US-Schwäche der Wolfsburger mit einer Nebenwirkung ihrer Baukastenstrategie. Mit ihr will der VW-Konzern gleiche Bauteile modell- und markenübergreifend einsetzen und damit kräftig sparen. Bei der dafür nötigen Umstellung habe Volkswagen vor allem auf den Wachstumsgaranten China gesetzt - was sich auch auszahlte. Doch die USA litten. «Ein bisschen ist das so», sagt Brauer zur Umsetzung der Baukastenstrategie, «als würde man ein ganzes Haus einreißen und anders wieder neu aufbauen. Und daher kann man dann eben eine Zeit lang nicht leben in dem Haus. VW hat den Neuaufbau zuerst in China gemacht und so Fokus in den USA verloren.» Der weltgrößte Pkw-Markt China macht bei VW-Pkw inzwischen 45 Prozent des gesamten Absatzes aus - und die Gewinne von dort sind glänzend.
Während die VW-Produktpalette in China schon zukunftsträchtig glänze, zeige sich in den USA nun die Schattenseite. Brauers KBB-Kollege Matt DeLorenzo verweist auf die Lücken im VW-Modellangebot vor allem bei den großen Geländelimousinen (SUV): «Der lange erwartete CrossBlue von Volkswagen ist ein Alles-oder-nichts-Produkt bei dem ehrgeizigen Ziel, bis 2018 rund 800.000 Volkswagen in den USA abzusetzen.» Bisher sei dafür einfach zu wenig in der Pipeline. «Während der Tiguan und Touareg gut laufen, setzen ihre Preisschilder und die fehlende dritte Sitzreihe der Anziehungskraft nun einmal Grenzen.» Der CrossBlue aus dem Werk in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee sei nun ein Anfang.
Die USA spielen eine Schlüsselrolle bei dem Volkswagen-Ziel, bis 2018 vor Toyota weltgrößter Autobauer zu werden. Als Hauptgründe für die US-Schwäche gelten neben den Lücken im Modellangebot auch mangelndes Verständnis für die Kundenwünsche. So geriet etwa zuletzt der Zyklus für eine kosmetische Überarbeitung der Modelle (Facelifts) zu lang. Volkswagens US-Chef Michael Horn sagte dazu am Sonntag in Detroit: «Wir müssen schneller sein - und das werden wir in Zukunft auch.»
Zum Thema Marktverständnis sagte VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh: «Es nützt ja nichts, wenn unsere Autos besser sind als die der Konkurrenz - aber der Kunde sie so gar nicht haben will. Wir müssen also stärker gucken, auf welchem Niveau wir die Produkte starten.» Dafür hat VW bereits veranlasst, mehr Entwicklungsarbeit für die USA auch direkt dort zu leisten und nicht nur von Deutschland aus. «Wenn wir ein Item wie etwa hochwertig verkleidete Kofferräume in den USA nicht einpreisen können, dann müssen wir uns eben überlegen, wie wir damit umgehen», sagte Osterloh. Das brauche Zeit. (dpa/swi)
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