Frankfurt. Der Automobilkonzern Volkswagen (VW) schwimmt mitten in der größten Absatzkrise der Autobranche auf einer Erfolgswelle: Vergangene Woche entschieden die Wolfsburger den Machtkampf mit dem Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche für sich und erzwangen die Integration von Porsche als zehnte Marke in den Konzern. Zudem macht der DAX-Konzern dank staatlicher Kaufanreize wie der Abwrackprämie in Deutschland in einem insgesamt rückläufigen Gesamtmarkt weiter Boden gut. Deshalb dürfte der Konzern nach Expertenmeinung im zweiten Quartal aus eigener Kraft ein positives Ergebnis erzielt haben. Im Auftaktquartal war dies den Wolfsburger nur dank des Erlöses aus dem Verkauf des brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäfts an MAN gelungen. Volkswagen will am Donnerstag (30. Juli) den Halbjahresbericht vorlegen.
Die elf von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten rechnen im Schnitt für das zweite Quartal mit einem leichten Umsatzrückgang auf 28,966 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis dürfte mit 632,5 Millionen Euro im Vergleich zum ersten Quartal beinahe doppelt so hoch ausgefallen sein. Zur Vorjahresperiode bedeutet dies aber einen drastischen Rückgang von fast 73 Prozent. Unterm Strich bleiben nach Analystenschätzung 261 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr stand noch ein Gewinn von 1,643 Milliarden Euro in den Büchern. Das Management hatte schon bei Bekanntgabe der Erstquartalszahlen ein positives Ergebnis für das zweite Jahresviertel in Aussicht gestellt.
Nach Einschätzung der Analysten von Credit Suisse dürfte Volkwagen im Vergleich mit den Wettbewerbern am stärksten von den europäischen Abwrackprogrammen profitiert haben. Allein in Deutschland seien die Verkäufe im zweiten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode um 43 Prozent angestiegen. Besonders die im ersten Quartal verlustreiche Kernmarke VW dürfte nach Ansicht von Gregor Claussen von der Commerzbank wieder ins Plus gedreht haben. Den operativen Gewinn der Kernmarke sieht er mit 275 Millionen Euro in etwa in der gleichen Größenordnung, in der im ersten Quartal ein Verlust anfiel. Verlustreich dürften seiner Meinung nach aber erneut die spanische Tochter Seat und die Luxusmarke Bentley abgeschnitten haben. Analyst Marc-Rene Tonn von M.M. Warburg sieht durch die Verschiebung der Nachfrage hin zu kleinen und damit günstigeren Autos sowie durch den von der Abwrackprämie ausgelösten Preisdruck Belastungen für die Profitabilität des Konzerns.