Nicht China ist das gelobte Land der deutschen Autohersteller, auch nicht die USA. Es ist viel naheliegender: Großbritannien. 767.000 Autos „Made in Germany“ wurden vergangenes Jahr auf die britische Insel geliefert – drei Mal mehr als nach China, schreibt Industrie-Experte Peter Schmidt in seinem AID-Newsletter: „Keine andere Nation auf der Welt liebt deutsche Autos mehr als die Briten.“ Denn auch die Zahl der aus Deutschland in die USA gelieferten Autos war längst nicht so groß wie das Kontingent, das über die Nordsee ging. Zwar sind China und/oder die USA für die deutschen Autokonzerne die wichtigsten Märkte. Weil aber die meisten dort verkauften Fahrzeuge vor Ort gebaut werden, helfen die guten Geschäfte auf anderen Kontingenten den deutschen Werken nur indirekt. Anders die Briten: Ihre vom Wirtschaftsboom auf der Insel angefachte Nachfrage nach deutschen Autos sorgt in Deutschland für volle Auftragsbücher und ausgelastete Werke. Dabei sind es vor allem niedrige Zinsen, Vertrauen in die Wirtschaft und steigende Hauspreise, die auf der Insel den Appetit nach neuen Autos anregen. Davon profitieren auch die heimischen Hersteller wie Jaguar, Land Rover und Mini. Und weil sich die dort „Prestige Cars“ genannten Premiumautos schon immer großer Nachfrage erfreut haben, konnten BMW, Audi, Mercedes und Porsche 2013 Verkaufsrekorde verbuchen. Nach den ersten drei Monaten sieht es übrigens so aus, als ob sich daran so bald nichts ändern wird.
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Das gelobte Land ist eine Insel
Alle Welt hält China für das Paradies der Autoindustrie. Doch das wahre gelobte Land der deutschen Hersteller liegt viel näher, meint Chefredakteur Guido Reinking.