Als BMW-Chef Norbert Reithofer Maschinenbau studierte, so erzählte er einmal, wurde eine Studie der Internationalen Energieagentur veröffentlicht, wonach die Erdölvorräte der Welt noch 20 Jahre reichen würden. Dann werde die Förderung unweigerlich zurückgehen. Das, so sagte er, habe einen jungen Studenten schon verunsichert. Beschäftigte er sich doch damals schon mit der Automobilfertigung. 1995 dann, als das Fördermaximum erreicht sein sollte, passierte nichts. Das Öl sprudelte weiter. Es wurden auch weiterhin Benzin- und Diesel-Autos gebaut. Und es wurden neue Prognosen veröffentlicht. Demnach werde das Fördermaximum (Peak Oil) in 20 Jahren erreicht. Also müsste es ja bald so weit sein.
Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, was 2015 passieren wird. Nicht das Fördermaximum wird erreicht, es wird neue Prognosen der Energieagentur geben. Sie werden das Fördermaximum wahrscheinlich auf einen Termin in 20 Jahren festlegen. Das ist wohl der Zeitraum, in dem die meisten Autoren solcher Studien in den Ruhestand gehen und dann nicht mehr nach ihrem „Geschwätz von gestern“ gefragt werden können. Da sind die Autoren der Energy Watch Group (EWG) schon mutiger. Zur EWG gehören keine Fachleute für Ölförderung, sondern eher Umweltschützer und grüne Politiker. Sie propagieren seit 2007 regelmäßig, das Ölfördermaximum sei längst erreicht. Wir hätten es nur noch nicht gemerkt. Daran knüpfen sie die Forderung einer sofortigen Energiewende weg vom Öl, ohne Rücksicht auf die volkswirtschaftlichen Kosten einer solchen plötzlichen Kehrtwende.
Die EWG nutzt die Peak-Oil-Debatte zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele, während die Internationale Energieagentur eher an konstant hohen Ölpreisen interessiert ist. Beides sind keine vertrauenserweckenden Motive. Die einzig plausible Antwort auf die Frage, wie lange die fossilen Brennstoffe noch reichen, lautet: Wir wissen es nicht. Neue Fördermethoden wie das in Deutschland verpönte Fracking lassen neue Quellen sprudeln. Alte Quellen geben mehr her, als man früher glaubte. Norbert Reithofer hat aus der Unsicherheit für BMW seine eigenen Konsequenzen gezogen – und baut ein Elektroauto, den i3. Man weiß ja nie …