VW-Mitarbeiter, die hämisch über Peugeot oder Opel reden, kann man relativ leicht zum Schweigen bringen, indem man Seat erwähnt, das ewige Sorgenkind des Konzerns. Denn die deutsche GM- und die spanische VW-Tochter stecken in vergleichbaren Problemen. Seat ist stark auf die Euro-Krisenländer in Südeuropa konzentriert, hat zu wenig Geschäft in den aufstrebenden Märkten und ist in den USA überhaupt nicht vertreten. Wer international so aufgestellt und dazu noch im Volumengeschäft unterwegs ist, hat derzeit nichts zu lachen. Egal, wie gut die Produkte sind. Und die Seats sind verdammt gut. Im jüngsten Vergleichstest der "Auto-Bild“ hat der neue Seat Leon sogar den Einser BMW geschlagen.
Aber ein gutes Produkt ist nur eine von mehreren Voraussetzungen für Erfolg. Ein weiteres ist Design. Auch auf diesem Feld ist gegen Seat wenig zu sagen. Ein drittes ist die Marke. Und da kommt VW-Marketingchef Jürgen Stackmann ins Spiel: Wie gering der Markenwert von Seat ist, zeigt das Beispiel Mii. Der Ableger des VW-Kleinwagens Up wird preislich noch unterhalb des technisch gleichen Skoda Citigo angeboten. Das heißt, Seat, nicht Skoda, ist die Billigmarke im VW-Konzern. Auf die Frage, wofür die Marke Seat eigentlich steht, hat noch keiner von Stackmanns Vorgängern in Matorell eine befriedigende Antwort gefunden. Er wird sie nun geben müssen.Kurzfristig lässt sich dieses Problem kaum lösen. Markenwerte zu ändern erfordert einen langen Atem – Audi brauchte 20 Jahre –, viel Geld und Verstand. Die Frage ist, ob man in Wolfsburg Stackmann genügend Zeit gibt, Seat auf die Erfolgsspur zu bringen. Für viele seiner Vorgänger war der Seat-Chefsessel ein Schleudersitz. Also: Viel Glück.Blog
Viel Glück, Jürgen Stackmann!
Denn er wird es als neuer Seat-Chef gebrauchen können. An VWs spanischem Sorgenkind haben sich Generationen von Managern abgearbeitet – mit mäßigem Erfolg. Ist die Marke überhaupt zu retten?