Wie schlägt sich Premium-Hersteller Audi auf den wichtigen europäischen Märkten? Das liegt seit Juni 2022 in der Verantwortung von Jens Puttfarcken. Die Automobilwoche traf den Diplom-Ingenieur zum großen Exklusiv-Interview in Ingolstadt. Die Themen: Audis Auftragslage, die Einführung des Agenturmodells noch in diesem Jahr und was der deutsche Handel von China lernen kann.
AUTOMOBILWOCHE: Herr Puttfarcken, Audis Bestellbücher sind über ganz Europa gut gefüllt. Ihre Arbeitstage müssten gerade sehr entspannt sein…
Jens Puttfarcken: Es stimmt, dass wir uns weiter über einen sehr hohen Auftragsbestand freuen, der im Vergleich zum Januar 2022 sogar noch einmal angestiegen ist. Damit bin ich sehr zufrieden. Aber deswegen darf man nicht davon ausgehen, dass die Lage entspannt ist.
Sondern?
Wir legen aktuell einen extremen Fokus darauf, vielen Kundinnen und Kunden, die momentan leider länger auf ihr Fahrzeug warten, ein gutes Angebot zu machen. Uns geht es um den bestmöglichen Service jetzt in der Wartezeit. Meine Anspannung verlagert sich also nur in einen anderen Bereich und damit ist es ja auch noch lange nicht getan…
Was genau meinen Sie?
Die Komplexität des europäischen Marktes ist weit höher als in anderen Regionen. Wir sind hier auf mehr als 30 verschiedenen lokalen Märkten unterwegs, die alle ihre eigenen Regeln haben. Nehmen Sie die Förderung der Elektromobilität, die jetzt zum Jahreswechsel zum Beispiel neben Deutschland auch in Österreich und Frankreich angepasst wurde. Wir müssen also immer sehr flexibel reagieren, welche Kulissen für Förderung wir durch die nationalen Regierungen vorfinden und unsere Vermarktungsstrategie daraufhin anpassen.