Es war einmal ein Audi 80, dem verpasste der italienische Designer Giorgetto Giugiaro ein neues Erscheinungsbild mit Schrägheck. Ob man 1973 bei VW ahnte, dass die Erzählung der Geschichte des wohl wichtigsten deutschen Dienstwagens einmal so beginnen würde? Klar ist jedenfalls: Es ist die Entstehungsgeschichte des VW Passat. Das Modell, das nun 50-jähriges Jubiläum feiert und – inzwischen in achter Generation – noch immer gebaut wird. Weit mehr als 20 Millionen Fahrzeuge dieses Typs wurden mittlerweile verkauft. Zwischenzeitlich war jeder zweite gebaute VW ein Passat. Insbesondere die „Variant“ genannte Kombivariante erfreut sich großer Beliebtheit. 2023, im Jubiläumsjahr wird der Passat abermals neu aufgelegt. Nachdem der VW-Klassiker einst in Salzgitter, Wolfsburg und Zwickau, vor allem aber über Jahre hinweg in Emden gebaut wurde, entsteht die kommende Generation künftig in Bratislava in der Slowakei. Übrigens nur noch als „Variant“. Gut möglich, dass es die letzte Neuauflage des Passat ist. Denn mit der VW-Studie ID.Aero, die aller Wahrscheinlichkeit nach als Serienauto ID.7 heißen wird, steht bereits ein elektrisches Limousinen-Modell im Stile des Passat in den Startlöchern. Geplanter Marktstart: ebenfalls 2023.
Bereit machen zum Jubeln
Fünf legendäre Autos feiern in diesem Jahr runden Geburtstag. Vier davon sind noch heute Kernmodelle der jeweiligen Hersteller. Hinzu kommt das Jubiläum des Langstreckenrennens schlechthin.
1993 brachte Mercedes die C-Klasse als Nachfolgerin des "Baby Benz" 190.
Nicht ganz so lang auf dem Markt wie der Passat ist die Mercedes C-Klasse. Für den Stuttgarter Hersteller ist die Baureihe jedoch mindestens ebenso wichtig wie der Passat für VW. Allein die erste Generation verkaufte sich mehr als 1,8 Millionen Mal. Vor 30 Jahren, im Mai 1993, wurde der Wagen als Nachfolger der 190er-Reihe vorgestellt. Zum Erfolg der C-Klasse trug vor allem die umfangreiche Sicherheitsausstattung bei. Denn Airbag, Seitenaufprallschutz, Gurtstraffer und auch ABS waren von Beginn an serienmäßig verbaut. Bis heute zählt die C-Klasse zu den erfolgreichsten Baureihen von Mercedes-Benz. 2022 verkaufte Mercedes in Deutschland von keiner Baureihe mehr Autos. Seit 2021 ist der Wagen in fünfter Generation erhältlich.
Porsche stellte 1963 den 911 vor, anfangs unter der Bezeichnung 901.
Bereits in achter Generation verfügbar ist der Porsche 911, ebenfalls ein Jubilar des Jahres 2023. Die Sportwagenikone feiert 60-jähriges Bestehen. Damals, genauer gesagt am 12. September 1963, wurde der neue Porsche auf der IAA in Frankfurt erstmals dem Publikum vorgestellt – als Porsche 901. Doch weil sich Peugeot Jahre zuvor die Markenrechte an dreiziffrigen Autonamen mit einer Null in der Mitte gesichert hatte, wurde aus dem 901 der 911. Mehr als eine Million Porsche 911 wurden inzwischen verkauft. 2014 gab Porsche bekannt, den 911 nur noch im Stammwerk in Zuffenhausen zu fertigen; die vorübergehende Produktion in Osnabrück lief damit aus.
Die Corvette genießt in Amerika einen ähnlichen Kultstatus wie der 911er in Deutschland - und das schon zehn Jahre länger.
Der Neunelfer-Jubeltag ist übrigens nicht das einzige Sportwagen-Jubiläum, das im neuen Jahr ansteht. Denn zehn Jahre vor dem Porsche 911 wurde ein anderer wichtiger Klassiker der Autogeschichte vorgestellt: die Corvette. Die Premiere der ersten Corvette erfolgte im Januar 1953. Bei der „Motorama“, einer Automobilausstellung von General Motors, im New Yorker Hotel Waldorf Astoria, unweit von Broadway und Central Park, zeigte die Marke Chevrolet erstmals den schicken, neuen Sportwagen. Auch die Corvette ist längt ein Klassiker. In bislang acht Generationen wurden bis heute weit mehr als 1,5 Millionen Exemplare der Baureihe verkauft. Im Gegensatz zum Porsche 911 ist der amerikanische Sportwagen übrigens vergleichsweise erschwinglich. Die neueste Generation kam 2019 heraus, sie kostet derzeit 89.900 Euro. Außerdem brach sie mit einer Tradition: Erstmals verfügt die Corvette nicht mehr über eine auffällig lange Motorhaube, denn erstmals tritt der Wagen mit einem Mittelmotor-Layout an.
Der Kleinwagen Fiat Uno wird 40 Jahre alt.
Ein ganz anderer Auto-Jubilar des Jahres 2023 ist der Fiat Uno. Der Kleinwagen, der 1983 auf den Markt kam, war ein zentrales Modell für die Marke – und ein immenser Erfolg. In den Achtzigerjahren gehörte der Uno zu den meistverkauften Importwagen in Deutschland und rangierte auch in der europäischen Zulassungstabelle weit oben. Zudem punktete der Uno auch als industrietechnischer Trendsetter. Als erstes Fahrzeug überhaupt war der kleine Fiat für die automatische Fertigung ausgelegt. 200 Roboter waren in der Lage, den Wagen zu großen Teilen vollautomatisch zusammenzuschweißen. Lediglich 30 der 2700 Schweißpunkte mussten noch manuell bei der Produktion in den italienischen Fiat-Werken Mirafiori und Rivalta di Torino gesetzt werden. Ab 1993 wurde der Fiat Uno allmählich durch den Nachfolger Punto abgelöst. In Brasilien lief der Uno jedoch noch bis 2014 unter dem Namen Fiat Mille von Band.
Nicht nur Autos feiern in diesem Jahr übrigens Jubiläum. Sondern: 2023 wird das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, der traditionsreichste Langstreckenklassiker der Welt, 100 Jahre alt. Im Jahr 1923, vom 26. auf den 27. Mai, fand das erste 24-Stunden-Rennen in Le Mans statt. Die Ursprungsidee der extremen Prüfung für Menschen und Maschinen: Autohersteller sollten die Zuverlässigkeit ihrer neuesten Autos bei einem Sportwettkampf beweisen können.